Can´t Be Silent in der Schule

LehrererInnen und SchülerInnen aufgepasst:
Ihr wollt "Can't be silent" im Kino sehen? Dann ruft im Kino an und vereinbart eine Gruppenvorführung. Für eine richtig gute Vor- und Nachbereitung im Unterricht gibt es das offizielle Schulmaterial vom Institut für Schule und Filmkultur.
Ausserdem wurde "Can't be silent" ins offizielle Programm von VisionKino aufgenommen und ist Bestandteil der Schulkinowochen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen.

Ein ausführliches Curriculum für LehrerInnen, die Can´t Be Silent im Unterricht einsetzen möchten, gibt es hier zum download:
Curriculum Can´t Be Silent

Zitate aus den Interviews mit den "Refugees"

Fotos: Piero Chiussi / webchroma.de

Viele Deutsche wissen nicht, was in Deutschland passiert. Es gibt Menschen, die überrascht sind, wenn wir sagen, dass wir mit 5 oder 6 Personen in einem Raum leben. Sie finden es seltsam: Wie kann man dort leben? Wie geht das? Wenn es für sie seltsam ist, bedeutet das, dass sie sich nicht bewusst sind über das was geschieht. Wir müssen ihnen die Informationen geben und vielleicht eine Lösung finden, die wir gemeinsam erkämpfen können. Das ist wichtig für uns. (Revelino)

Ich habe kein Recht zu reisen, aber ich kann nicht immer in meinem Haus verriegelt sein. Es ist die Idee der deutschen Behörden uns einzusperren und keinen Kontakt mit niemandem zu erlauben. Ich bin ein Künstler und ein Künstler kann nicht an Ort und Stelle seine Musik oder seine Kunst ausüben. Bewegung ist sehr wichtig, um den Menschen meine Kunst zu zeigen. ... Ich kann nicht still halten, ein Gefangener sein, das ist, was ich sage. Alle Menschen auf die Welt haben das Recht frei zu sein. Ich möchte ihnen damit zeigen, dass ich frei bin. (Revelino)

Wenn ich unterwegs bin und Konzerte spiele, vergesse ich meinen Alltag. Ich bin dann mit den wirklichen Leuten in der realen Welt wo die normalen Menschen leben. Aber sobald ich meine Sachen packe und zurück muss nach Reutlingen (ins Flüchtlingslager) bin ich traurig. Weil ich weiß: Dorthin zurückzukommen ist die Hölle. Einfach die Hölle. (Sam)

Ich möchte leben wie normale Menschen, einen Proberaum haben, wo ich hingehen kann und üben, trommeln, singen oder schreien kann wie ich will. Im Wohnheim kann ich das alles nicht. Musik hält mich am Leben, es ist das wichtigste was ich habe. Ohne Musik kann ich mir das Leben nicht vorstellen. Es macht mich stärker wenn Menschen zu mir kommen und sagen: Hey das war ein tolles Konzert, wir mögen Deine Musik, wir mögen Deine Stimme.” Es macht mir Freude und ich möchte, dass andere das auch geniessen. (Sam)

Als wir die Tour starteten, dachte ich: Wie sehr wünsche ich mir dieses Leben fortzusetzen. Ich bin Musiker und das ist was ich liebe und wofür ich sterben würde. Es ist mein Leben. Ich habe keine andere Beschäftigung als Musik. Niemand kann mich aufhalten. Ich habe dieses Talent in mir, es wird mich begleiten bis ich sterbe. (Sam)

Die meisten sind ja so, wenn die sagen, guck mal er ist ein Flüchtling, dann erniedrigen sie mich schon so. Dann fühlt man sich wie ein Außenseiter, dann gucken die Leute gleich anders weil man Flüchtling ist. ... Nur meinen besten Kumpels habe ich das gesagt, vielen anderen Mitschülern wollte ich das erst mal verbergen. Aber seitdem ich Musik angefangen habe, ist mir das irgendwie egal. Deswegen will ich jetzt, dass alle erfahren, wie es uns wirklich geht. (Nuri)

Die Zeit in der ich Musik mache bringt mich ein bißchen auf andere Gedanken. Weil wenn ich zu Hause bin. dann muss ich jeden Tag das gleiche denken. Wie wird es weiter gehen, werden wir abgeschoben oder nicht? Aber wenn ich hier bin zusammen mit Kollegen, dann komme ich ein bißchen raus aus der Geschichte. Dann fühle ich mich wieder wie ein normaler Mensch. Aber wenn ich zu Hause bin muss ich immer wieder an die ganzen Probleme denken. (Nuri)

“Möchtest du wissen wie es mir geht?
Wir waren heimatlos im fremden Land
So geht es mir
Mein Wunsch war es zu lernen
Ich wollte nicht zurückbleiben
Aber mein Vater wurde alt über die finanziellen Probleme '
Ich musste die Schule aufgeben
Aber Mutter Deine Stimme klingt immer noch in meinem Ohr
Mutter ich vermisse Deine Blicke
Muttter, ich vermisse.
Warum müssen Afghanen unterdrückt sein?
Warum muss ihr Name Terrorist sein?
Warum haben du und ich keine Identität?”

Mutter, erinnerst du, am letzten Tag
Du umarmtest mich und sagtest:
Geh mein Kind, ich weiß du wirst erfolgreich
Warum Bruder denkst Du immer noch an gestern?
Welche Wege haben wir hinter uns gelassen
Berge, das Meer. Wofür?
Für Morgen.

(Hosain)

Was meine Trommel sagt, sage ich den Leuten. Als ich gelernt habe sie zu spielen war es mein Traum den Menschen Freude zu bringen. Ich möchte in meinem Leben Freude geben. Wenn ich nur im Lager bin, bin ich eingesperrt und niemand kann wissen was es in meinem Herzen gibt. Ich bin kein Krimineller. Ich möchte nicht alleine bleiben. Wenn ich allein bleiben muss, werde ich sehr traurig. (Jacques)

Vorhin ist so ein Junge zu mir gekommen meinte: Ey, das machst du gut. Also die Musik die wir gemacht haben, unsere Probleme erzählt haben. Er meinte, es ist sehr gut was wir machen. Das, was er zu mir gesagt hat, nehme ich als Kompliment, das gibt uns auch die Kraft so weiterzumachen. Wenn jemand kommt und sagt: Ey das machst du gut, dann fühle ich mich natürlich auch gut. (Nuri)

Es gibt andere in der Band die auch solche Musik machen wie ich, aber halt nicht auf deutsch. Aber die Musik berührt mich so. Ich meine die singen auch über ihre Probleme und ich finde das gut. Denn wenn man nicht redet, den Leuten das nicht erklärt, dann ist man von der Ausländerbehörde abhängig. Aber wenn man Öffentlichkeit hat, wird es vielleicht schwieriger für die Ausländerbehörde, uns abzuschieben. (Nuri)

Eine Sache ist wirklich schwer für mich zu verstehen: Wenn du auf der Bühne stehst, klatschen alle, tanzen und sind happy. Nachher kommen die Leute und sagen: Das war super, wir hatten wirklich viel Spaß. Aber wenn du die gleichen Leute irgendwann später wieder triffst, bist du jemand völlig anderer für sie. Wenn du nicht auf der Bühne stehst, sehen sie in dir nur den Flüchtling. (Sam)

Fotostrecke

von Piero Chiussi / webchroma.de

copyright: Piero Chiussi / www.webchroma.de

Quelle: http://www.cant-be-silent.de/material/